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Pater Pio innere Ruhe finden

By Sofia Pauls

Teil 3 – Der 2. Tag . Ein Buch beamt mich weg

Der 2. Tag . Ein Buch beamt mich weg

Ja Hallo, ich bins wieder, Sofia. Heute erzähle ich euch die Fortsetzung meiner Geschichte am 2. Weihnachtsfeiertag.Wir sind zu Hause, endlich: Hello Entspannung…ich komme.

Happy Holidays, Teil 1

Morgens wache ich auf und bin einfach nur happy. Ich freue mich auf einen entspannten Tag zu hause: Keine Besuche, keine Termine, keine E-Mails, Meetings oder Telkos, kein Weihnachtsgewichtel, keine Elfen und Geschenke. Einfach nur Nichts.

Ein Leben wie im Comic, zu schön um wahr zu sein. Nicht, dass ich ein Freund von Comics wäre. Selbst Donald Duck ist mir zu anspruchsvoll. Aber in Comics (zumindest denen, die ich kenne) ist die Welt herrlich irreal und so schön bunt, so harmlos und kindlich. So fühlt sich mein Tag auch an. Also frühstücke ich ausgiebig und lege mich danach ganz einfach wieder hin. Traumhaft.

Gemütlichkeitswahn, ich komme

Fröhlich in meine warme Bettdecke gekuschelt, nehme ich das seltsame Buch vom Nachtisch und fange in meinem Gemütlichkeitswahn einfach mal an darin zu blättern. Bald beginne ich zu lesen und in die Story einzutauchen. Irgendwie geht es um einen Mann, der eine Zugfahrt macht und Leuten begegnet.

Ziemlich ödes Buch. Passiert nichts. Perfekt.

Ziemlich öde. Es passiert fast gar nichts. Genau das Richtige für mich: Keine Action, keine anstrengenden, interlektuellen Geschichten. Ich lese also weiter, denn dieses Buch gefällt mir in seiner langweiligen, ehrlich biografischen Art tatsächlich. Es ist schön geschrieben und irgendwie, ich kann es spüren, ist es grundehrlich.

Ich wandle im Poesiealbum von 1967

Das Buch handelt davon, dass dem Autor nach dem Tod seiner Oma zuerst in einem Buch ihrer Hinterlassenschaft, in der Folge aber auf scheinbar zufällige Art in seinem Alltag, immer wieder ein italienischer, längst verstorbender Priester begegnet. Diese wunderlichen Begegnungen regen zunehmend die Neugier des Autors an, der ein völlig durchschnittliches, von seinem Beruf und seiner kleinen Familie geprägtes Leben führt. Es dauert nicht lange, da findet er sich zu seiner eigenen Überraschung auf einer Pilgerreise nach Italien, um mehr über diese misteriöse Gestalt zu erfahren.

Ich muss immer weiterlesen weil ich es irgendwie unterhaltsam finde und so unschuldig, altmodisch geschrieben. Fühle mich wie im Poesiealbum von 1967, das man auf dem Speicher gefunden hat und in dem man in den alten Kamellen schmökert.

Fakt ist: Das Buchcover benötigt dringend ein Update. Es ist so gruselig mit dem Sarg auf der ersten Seite. What ever… Ich kann nicht aufhören zu lesen und lese und lese und lese….

Der Protagonist der kleinen Geschichte, er heißt Matthias, ist jetzt als eine Art Pilger in Italien unterwegs, weil er begreifen will warum er in seinem Leben plötzlich immer wieder auf diesen völlig fremden, heiligen Priester mit dem Namen Pater Pio aus Italien stößt: In kurzer Zeit taucht dieser mal in einer Fernsehsendung auf, mal in den alten Sachen seiner Oma, dann im Internet und nicht zuletzt in einem Buch, das scheinbar zufällig aus einer Kiste aufgeschlagen vor ihn fällt. Was ist das für ein Heiliger, der dauernd seine Bahnen kreuzt? Es ist ein stigmatisierter „Padre“ aus Italien, der im 20 Jahrhundert lebte und die Fähigkeit besaß Menschen zu heilen. Dieser faszinierende Mann hatte dabei selbst 40 Jahre lang mit Wunden an Händen, Füßen und ich glaube am Bauch gelebt, die nie abheilten. Beeindruckend, so konkret und nah, keine Geschichte von vor 2000 Jahren. Ich lese interessiert weiter, finde es plötzlich richtig spannend.

Pupillenlose sieht die Welt rosarot:
Jetzt wird es wirklich fastzinierend: Zusammen mit dem Protagonisten erfahre ich, wie der heilige Padre aus St. Giovanni Rotondo einer Frau, die ohne Pupillen geboren wurde, das Sehen brachte. Das Krasse daran ist einfach, dass die Frau heute noch lebt und sehen kann und auch dieser Padre ist noch nicht so lange tot. Er starb erst 1967, oder sowas, nicht lange vor meiner Geburt.

Spannend, echt. Ich stehe auf Italien und auch auf so abgespacte Geschichten. Und ich merke so langsam, hier geht es also um Gott.

Ich selbst würde mich als kaum religiös bezeichnen. Vielleicht bin ich generell etwas spirituell angehaucht, aber dennoch ein feinfühliger Mensch. In meinem Herzen glaube ich an Gott auf meine individuelle Art, so wie ich selbst eben Gott für mich interpretiere: Als das Licht, das alle Farbspektren enthält. Alle Farben sind im weißen Licht vereint, wie ein Regenbogen. Wir als Menschen können dieses Spektrum des Lichts aber nicht erkennen und verstehen. Trotzdem ist das Licht  da und wir sehen es jeden Tag. Ich stelle mir vor, wenn ich sterbe, werde ich Teil dieses Lichts. Mit einem Schlag werden mir alle Fragen beantwortet werden. Wir Menschen sind einfach nicht mit den Mitteln ausgestattet, um zu verstehen was da los ist. Wir kriegen nicht alles in der kompletten Tiefe mit. Das soll so sein und ist okay. Unser Prozessor ist im Prinzip zu schwach, aber im Angesicht des Todes fährt die Leistung schlagartig weit über das normale Maß hinaus hoch, so dass wir verstehen. Wie ich zu dieser doch individuellen Vorstellung komme, blogge ich vielleicht noch später.

Das Bodenpersonal lässt zu wünschen übrig

Das Buch regt meine Gedanken an. Ich setze mich plötzlich mit dem tieferen Sinn des Lebens auseinander. Ich möchte mich selbst finden. Ich frage mich ob ich ein guter Mensch bin? Ich versuche zumindest Mal ein guter Mensch zu sein. Aber nicht für einen Gott oder die Kirche. Die Kirche ist aus meiner Sicht ein untauglicher Versuch von Menschen Gott zu erklären. Sie versucht etwas Unbegreifbares begreifbar zu machen und hat sich dabei so einige Male schwer verlaufen oder wie Harpe Kerpelin es einmal so schön gesagt hat: Dabei lässt „das Bodenpersonal zu wünschen übrig“. Ich bin kein Fan der katholischen Kirche oder sowas. Und dennoch finde ich es spannend zu lesen was Matthias, der Buchautor, da so schreibt.

Dennersch Baas – Eine alte Dame im Dorf meiner Kindheit

Plötzlich finde ich mich gedanklich wieder in meiner Kindheit und erinnere mich an die „Dennersch Baas“, eine alte Dame aus meinem Dorf. Eigentlich hieß sie Maria, „Dennersch Baars“ war ihr Spitzname. Auch sie schenkte mir damals ein Buch über Gott und den Glauben, so wie mein Bruder heute. Sie sah etwas in mir und wollte, dass ich Messdienerin werde. Das erfüllte mich auf meine kindliche Art mit Stolz.

Es war ein klassisches, katholische Buch für Kinder.  Darin waren Maria, die Mutter Gottes und schöne, katholische Heilgenfiguren abgebildet, auch Jesus und viele andere. Ich mochte das Buch und die Geste der lieben, guten Frau. Sie war toll und eine Woge warmer Zuneigung überkommt mich bei dieser Erinnerung.

By Sofia Pauls

Teil 4 – Der Beginn einer imaginären Pilgerschaft

Hi, hier ist Sofia und ich bin gerade echt genervt.

Ich versuche an diesem Samstag ein paar Minuten zu schreiben, aber wie soll ich das, wenn es ständig an der Tür klingelt? Innerhalb von 60 Minuten steht da erst der Postbote, dann der DHL Fahrer, gefolgt von UPS und auch der Hermes Bote darf nicht fehlen. Dann wird auch noch etwas für die Nachbarn abgegeben. Unsere Welt ist schon bisschen krank, oder?

Die Welt ist aktuell auf einem Speed Trip

Aber das ist ja erst der Anfang. Bald kommen dann ja noch die Drohnen und werfen den Kram im Garten ab! Die Welt kommt mir wahnsinnig hektisch vor, wie auf einem Speed Trip. Nicht dass ich mit soetwas Erfahrungen hätte, aber ich stelle es mir halt so vor. Ich frage mich, ob man bei der hohen Geschwindigkeit noch die nächste, scharfe Kurve mitnehmen kann? Anstrengend unsere Zeit, aber egal… .

Zurück zur Story:

Es ist inzwischen ein weiterer Tag vergangen und ich habe Lust mehr zu lesen und zu erfahren. Matthias aus dem Buch ist jetzt an dem Ort, an dem Pater Pio in San. Giovanni Rotondo – Film gewirkt hat. Der Heilige Padre lebte dort in einem Kloster. Unglaubliche Geschichten kursieren über ihn: Er wurde an 2 Orten gleichzeitig gesehen, konnte heilen und hat das Dorf im Krieg vor Bomben beschützt. Über 20 Flieger der Wehrmacht im 2. Weltkrieg berichteten von Erscheinungen über dem Dorf, die zur Verhinderung der Bombadierung führten. Kann das alles sein?? Matthias hat Glück. Während er vor Ort ist, wird der Leichnahm des Padres ausgestellt. Matthias muss ihn einfach sehen, es zieht ihn zum Sarg!!! Als er unten in der Grabesstätte ist, schaut er gespannt in das gläserne Behältnis, und da liegt der Pater tatsächlich vor ihm. Ein krasser Moment. Leider ist Matthias nicht allein, denn hunderte Pilger sind ebenfalls zum Grab des Heiligen aufgebrochen und so wird Matthias weiter geschoben und der Moment ist so schnell vorbei wie er gekommen ist. Matthias ist etwas enttäuscht. War das alles?

Pilgern, ein echter Hype – Alle scheinen zu pilgern keiner spricht über Jesus Christus

Auch so ein Phänomen: An den Massen der Pilgerschaft in dieser Geschichte sieht man auch mal wieder, dass Pilgern ein echter Hype geworden ist, oder?

Aber an Gott glauben ist richtig uncool. Da stimmt doch was nicht, oder? Wenn du sagst, „Ich geh pilgern“, dann ist das total cool.  Aber wenn du sagst: „Ich glaube an Gott und Jesus“, oder sowas in die Richtung, dann gucken die Menschen als hättest Du einen an der Klatsche.

Unser Pilgerer geht ein bisschen deprimäßig und geknickt in sein winziges Pilgerzimmerchen zurück. Am nächsten Tag zieht es ihn aber noch einmal hinunter in die Kruft und siehe da, die Menschenmassen scheinen sich schlagartig für einen Moment aufzulösen. So steht er also nun noch einmal vor dem aufgebahrten Pater Pio, alleine schaut er noch einmal durch das Glas und schließt die Augen. In seinem Inneren betet Matthias zu dem heiligen Padre und mit einem Mal, ganz  plötzlich, hört er deutlich die Stimme des Heiligen.

Also, ich nenne diesen Pater übrigens oft PP. Wißt Ihr, ich denke bei mir: „Wenn die ganzen Heiligen und Gott, Jesus und der Papst keinen Spaß verstehen, dann läuft da doch was schief.“ Immer dieses fromme Getue. Klar soll man nicht lästern und dummes Zeug reden und gewissen Themen verdienen auch Respekt. Aber meine Vorstellung von Gott lässt auch mal Platz für etwas Witz und Spass. Gerade das ist doch Gott, oder? Freude und Lachen. Etwas Spass muss sein!

Aber zurück zu dieser ominösen Stimme, die da jetzt angeblich spricht. PP sagt zu Matthias:

„Matthias, ich werde dir 7 Wege diktieren. Schreibe ein Buch.  Wer die 7 Wege geht, trifft auf Gott“.

Jetzt ist mein Interesse aber entgültig geweckt. Ist das alles nur Quatsch oder kann es stimmen? Kann es vielleicht doch sein, dass es so eine Dimension gibt, dass man Nachrichten empfangen kann? Gibt es vielleicht doch Wunder? Ich bin gefesselt und hänge mich einfach mal an Matthias dran.

Ich mach einfach mal mit. Ganz naiv…

Ich lese weiter. Matthias beschreibt den ersten Weg, der ihm diktiert wurde. Verkürzt für euch: Stell Dir einfach nur abends im Bett vor dem Einschlafen vor, dass Jesus an deinem Bett sitzt und gehe mit ihm deinen Tag durch.

Das ist easy krieg ich hin. Es geht wohl ums Beten, oder? Ich habe schon sehr lange nicht gebetet. Eigentlich seit meiner Kindheit nicht mehr so wirklich. Mit dem Begriff „Beten“ meine ich jetzt auch nicht zwangsläufig das Runterrasseln von vorgefertigten katholischen Gebetsformeln.

Ich beschließe, den ersten Weg mit zu gehen und stelle mir am Abend dieses Tages einfach mal genau das vor:

Okay, denke ich. Mal sehen ob der Jesus das Chaos meiner Tage übersteht und nicht ganz schnell wieder die Flucht ergreift. Und mal sehen, ob er auch wirklich Humor hat und mal über sich selbst lachen kann. Weil, gute Freunde brauchen auch Humor und wenn er ein guter Freund sein will, gehört das schon dazu. Mein Jesus ist sicher zeitgemäß drauf. Ich sage also zu ihm: „Hey, kannst du dich an die heutige Zeit anpassen und vielleicht als Rockstar nochmal runter kommen“? Irgendwie passt das dann aber doch nicht. Also bin ich lieber ruhig und demütig und still und versuche es neu 😉 Das Ganze fällt mir doch etwas schwer, denn die Geschichte von Jesus erscheint mir leider unendlich weit weg. Die Bibel und die dort weltfremde Sprache dringt einfach nicht wirklich zu mir durch. Also auf meine Art, es geht nur so:

Ich sage mal: Hi!

Ich sage: „Hi, Jesus wie gehts“? Ich gehe den Tag nun imaginär mit ihm durch. Das fühlt sich gut an und irgendwie bin ich danach erleichtert und schlafe auch in dieser Nacht richtig gut.

Heißt es nicht Jesus Christus war cool und er liebt alle Menschen?

Es ist aber auch schon recht schwer mit Gott umzugehen, wenn man katholisch erzogen wurde und gleichzeitig ein moderner, selbstbestimmter Mensch ist. Mal ehrlich, der Kirche gegenüber muss man doch kritisch werden, wenn man nicht ständig nur wegsieht, oder? Der Gott, der Dir da von Menschen vorgestellt wird, ist doch nichts an das man sich wenden will, so streng und verurteilend. Die Leute, die für sich beanspruchen für ihn zu stehen, stoßen einen doch meistens eher ab. Ich jedenfalls stehe den diversen Machenschaften und Positionen der Kirche teilweise sehr skeptisch gegenüber. Schwule werden verleugnet, Geschiedene aus der Gemeinschaft verbannt, Verhütung ist verboten, egal wieviele Kinder verhundern, und es werden sogar Kinder sexuell bedrängt… . Es gibt eine viel zu lange Liste an Punkten, die mich an der Kirche richtig stören. Gut gemeint, aber komplett verlaufen?!

Wenn Gott ein Schwulen- und Lesbenhasser wäre, wäre er dann wirklich Gott?

Ich frage mich oft, wie die katholische Kirche mit ihrer Einstellung ein Sprachrohr Gottes sein soll? Heißt es nicht, Gott ist cool und er liebt alle Menschen? Und steht Gott nicht auch hinter dir, egal was du für eine sündige SCH… gebaut hast? Wenn gleichgeschlechtliche Liebe falsch wäre, warum sollte Gott die Menschen wohl so gemacht haben wie sie sind? Was wäre das wohl für ein Gott, der Menschen nicht annimmt, weil ihre Art der LIEBE ihm nicht gefällt? Dann ist Gott also ein Schwulen- und Lesbenhasser? Wie bescheuert klingt das denn? Liebe ist Liebe, und aus meiner Sicht wird Gott erst recht einer verfolgten Liebe seinen Schutz anbieten, egal zwischen wem, oder?

Wie ein Schwarzweißfilm mit Untertitel läuft das Gottesbild der katholischen Kirche vor mir ab. Man hält am Anfang noch durch, doch schnell kann man einfach nicht mehr mit. Die Welt braucht einfach wieder Werte und Worte die verstanden werden.

Alleine das Wort Jesus Christus heute laut in Gesellschaft auszusprechen bringt einem ein lautes Lachen ein. „Die Alte spinnt doch völlig!“
Geht doch mal in eine Kneipe und redet laut über Jesus?  Die Leute dort, deine Freunde und der Barkeeper denken doch sofort du gehörst in psychiatrische Betreuung.

 

Pater Pio innere Ruhe finden
Teil 3 – Der 2. Tag . Ein Buch beamt mich weg
Teil 4 – Der Beginn einer imaginären Pilgerschaft